Universitäten sind keine Schulen
Auch wenn der MDR mit fast penetranter Sturheit von “Hochschülern” zu sprechen pflegt, sind Universitäten keine Schulen. Forschung und Lehre stehen traditionell im Mittelpunkt deutscher Universitäten. Dabei steht jeder Student in hoher Eigenverantwortung.
Bei der Reform des Bildungswesens sind Fehler gemacht worden. Grundsätzlich ist aber die Einführung von Bachelor und Masterstudiengängen nicht zwingend falsch. Schon Martin Luther war 1502 baccalaureus artium und 1505 magister artium. Die mit der Einführung schulähnlicher Studiengänge verbundene Absenkung des Niveaus ist jedoch abzulehnen.
Für eine exzellente Wissenschaft sind keine Einzelprogramme notwendig, sondern eine nachhaltige Finanzierung auf soliden Pfeilern. Gleichzeitig müssen aber auch die Universitäten sparsam mit den Steuergeldern umgehen. Mit weniger Bürokratie und klugen Ideen ließe sich viel Geld sparen, ohne dass Forschung und Lehre leiden müssten.
Die Universitäten leisten sehr viel für die Allgemeinheit. Universitätsstudenten haben regelmäßig ein wesentlich aufgeklärteres Weltbild. Sie prägen die Gesellschaft oft positiv. Durch Auslandsaufenthalte stärken sie das Ansehen Deutschlands im Ausland und fördern den Fortschritt der Wissenschaft und damit das Wohl der Gesellschaft.
Allgemeine Studiengebühren bedeuten eine Umstellung der Wissenschaftsfinanzierung von Steuerfinanzierung hin zu einer Gebührenfinanzierung. Wegen des hohen Interesses der Allgemeinheit an wissenschaftlichem Fortschritt, ist eine Gebührenfinanzierung ungerecht und letztlich für alle nachteilhaft.
Richtig ist, dass die moderne Arbeitswelt gut ausgebildete Menschen braucht. Für eine primäre Berufsausbildung ist die Universität aber möglicherweise nicht der geeignete Ort. Deshalb sollte man überlegen, ob Studiengänge, die vor allem auf Berufsausbildung ausgelegt sind, nicht besser an die Fachhochschulen ausgelagert werden sollten. Bei Jura beispielsweise könnte ein Studiengang Rechtsberater bei den Fachhochschulen eingerichtet werden. Dieser könnte für die Ausübung des Berufes der Rechtsanwaltes ausreichend sein. Auch der Beruf des Apothekers könnte an den FHs ausgebildet werden. Dasselbe gilt insbesondere auch für BWL und Lehrerausbildung.
An solchen rein berufsorientierten Studiengängen spricht auch nichts gegen die Einführung eines gebührenfinanzierten Systems. Denn sie stehen vor allem im Interesse des Studenten. Die LHG favorisiert hier das Modell der nachgelagerten Studiengebühren.
Die Liberale Hochschulgruppe unterstützt deshalb die Kritik an der momentanen hochschulpolitischen Entwicklung. Gleichzeitig weisen wir aber darauf hin, dass es sich bei den “Streikenden” nicht um eine repräsentative Gruppe der Studenten handelt. Wir lehnen es ab, andere Studenten von ihren Vorlesungen abzuhalten. Vor allem aber, und das haben auch Einige der “Streikenden” erkannt, gibt es bessere Möglichkeiten seinem Anliegen Ausdruck zu verleihen. Die LHG findet diese Form des Streiks undemokratisch und wenig sinnvoll. Der Streik ist ein berechtigtes Mittel im Arbeitskampf – an der Universität aber haben diese nichts zu suchen und sind Akademikern unwürdig.
Die Universität bietet mit ihren Gremien ausreichend Möglichkeiten, die berechtigten Anliegen der Studenten durchzusetzen. Auch die demokratischen Gremien in Land und Bund stehen offen. Einen Bildungsstreik halten wir für unnötig und in der derzeit durchgeführten Art und Weise sogar kontraproduktiv. Die LHG spricht sich gegen solche ideologisierten “Luftnummern” aus und fordert die Gremien der Hochschule gemeinsam mit der Politik zum Handeln auf.
Der demokratischere und Erfolg versprechende Weg ist:
Engagement in den politischen Parteien.
Wer sich in den politischen Parteien und ihren Jugend- und Hochschulorganisationen nicht engagiert, muss damit rechnen, dass Politik ohne ihn gemacht wird. Die politischen Parteien freuen sich alle über neue aktive Mitglieder, die Politik machen wollen. Alle Parteien sind demokratisch organisiert und ermöglichen es jedem für seine Ansichten einzutreten und Mehrheiten zu finden. Nur so funktioniert wahre Demokratie.
Engagement in den studentischen Vertretungen
Studierendenrat und Fachschaften, Senat und Fakultätsräte bieten die Möglichkeit mitzureden und für die eigene Ansichten Mehrheiten zu suchen. Jeder kann kandidieren und gewählt werden.
Petition(en) beim Landtag und beim Bundestag.
Die Volksvertretungen in Bund und Land ermöglichen es jedem, sein Anliegen vorzutragen. Die Anliegen werden immer sorgfältig und aufmerksam verfolgt. Hier bietet sich die Möglichkeit die Politik auf Missstände sehr direkt anzusprechen.
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